Earlybird oder gerupfter Vogel?

Earlybird - Die Marketingfalle


Seit einigen Monaten lockt der Weiterbildungsmarkt wieder mit zahlreichen Angeboten für Frühbucher. Klar, als Veranstalter von Weiterbildungsmaßnahmen steigt meine Planungssicherheit mit jedem Teilnehmer, der sich recht früh zu einem Seminar anmeldet. Da scheint es dem einen oder anderen ganz selbstverständlich, den Interessenten Preisnachlässe von 30 Prozent und mehr einzuräumen, um sie zu einer frühen Anmeldung zu bewegen. 

Und allzu oft werden solche Angebote dann auch dankend angenommen. Schließlich scheint es sich hierbei um ein echtes Schnäppchen zu handeln. Oder etwa nicht?

Häufig wird der angebotene Preis für das Seminar, der ein tatsächlich nie zu erzielen geplanter Verkaufspreis ist, in Verbindung mit einem hohen Nachlass für Frühbucher ausgewiesen. Damit wird dem Kunden ein effektiv nicht vorhandener Preisnachlass vorgetäuscht.

Das Thema „Mondpreis“ kennen wir alle seit es das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb gibt, vorzugsweise aus dem Handel mit Produkten unterschiedlicher Branchen. Seit einigen Jahren haben aber auch viele Dienstleister dieses unlautere Instrument für sich entdeckt. Unlauteres Instrument weil: (Wird ein hoher Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung nie oder nur für einen kurzen Zeitraum verlangt, so ist die Werbung mit Rabatten auf den hohen Preis laut §5 Abs.4 UWG nicht zulässig.)

Gut zu erkennen sind solche Angebote im Dienstleistungsbereich daran, dass ein Frühbuchertarif erst 4 bis 6 Wochen vor Stattfinden der Veranstaltung endet. Und da stellt sich mir die Frage, wird der Teilnehmer hier nicht vom "Earlybird zum gerupften Vogel“?

Nun wird der ein oder andere sich fragen, wo ist das Problem! Das Problem liegt m.E. darin, dass ein Kunde üblicherweise auch das Preis/Leistungsverhältnis abwägt, um zu einer Kaufentscheidung zu finden. Und hier geschieht dies auf Basis eines 
tatsächlich nie zu erzielen geplanten Verkaufspreises. Damit wird das wirkliche Preis/Leistungsverhältnis verschleiert.

Hinzu kommt, dass ein hoher Preis insbesondere im Dienstleistungsbereich vielen Menschen eine besonders gute Qualität suggeriert. Das Agieren mit Mondpreisen lässt m.E allerdings darauf schliessen, dass der Anbieter den Wert seiner Leistung selbst allenfalls beim niedrigeren Frühbucherpreis einordnet und das Qualitätsversprechen an den Kunden hier künstlich angehoben wird. 

Ob ein solches Vorgehen die positive und nachhaltige Positionierung des Anbieters fördert, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Das ein potentieller Teilnehmer hier seine Entscheidung auf Basis falscher Annahmen trifft, ist jedoch sicher!

Da fällt mir doch gleich wieder der langjährig genutzte Werbeslogan eines großen Elektromarktes ein: Lass dich nicht verarschen, vor allem nicht beim Preis! :-)

Bis bald,

euer Michael Bandt


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