Speaker, Trainer, Coach, … Kopierer?


Liebe Speaker, Trainer und Coaches,

Fragezeichen - Personal Branding


die Ereignisse der letzten Woche waren mal wieder nur mit viel Humor zu ertragen. Da flattert mir ein Einschreiben ins Haus, in dem eine Schadensersatzforderung eines Coaches gegen meine Akademie formuliert ist. Es geht um den geschützen Begriff „Proaktiv  Coach“. Selbstverständlich respektiere ich den Schutz dieses Begriffes. Jedoch ist meine Akademie über Goggle Adwords auch mit dem Begriff „Coach“ verknüpft, so dass bei einer Suche nach "Proaktiv Coach“ auch meine Werbung mit ausgegeben wird. Dies möchte mir der besagte Coach mittels Unterlassungserklärung und der Forderung von Schadenersatz untersagen. Einem hoffentlich folgenden Rechtsstreit sehe ich hier gelassen entgegen.

Aus meiner Sicht ist das, was hier geschieht, wie man in der letzten Woche wieder gut erkennen konnte, allerdings ganz typisch für unsere Branche. Ein paar wenige Beispiele gefällig?

Eine der genannten Berufsgruppen zugehörige Dame veröffentlicht auf ihrer Website ein Image-Video im „Drei Wettertaft“ Stil, das an Protz und Prunk nur schwer zu überbieten ist und gibt sich m.E. damit der Lächerlichkeit preis. Wen juckt es? Meine Kunden und auch sicher die der übrigen Speaker, Trainer und Coaches sind intelligent genug, ein solches Video und die darin angepriesene Dame richtig einzuschätzen. Ein ganz natürlicher Weg, die Spreu vom Weizen zu trennen. Jeder blamiert oder verkauft sich so gut er kann. Die letztliche Entscheidung darüber treffen glücklicherweiser unsere Kunden.

Die Branche allerdings sieht sich offenbar genötigt, ein wenig Öl ins Feuer zu gießen und diesem Video eine Aufmerksamkeit zu schenken, dass es zumindest aus meiner Sicht nicht verdient hat. Aber damit nicht genug. Diese falsche Aufmerksamkeit zieht wie schon so oft, eine Reihe Kuriositäten nach sich. In endlosen Facebook-Kommentaren beginnen die Marktteilnehmer sich selbst zu demontieren. Der eine fühlt sich in seiner Berufsehre verletzt und fordert die gesamte Speakerbranche müsse sich zu einem solchen Video äussern. Zu allem Überfluss wird dann noch Loyalität eingefordert, als gebe es nicht schon genug Klüngel und Kumpanei in der Branche. Andere verteufeln die Mitgliedschaften in Verbänden, weil sich einzelne Mitglieder nicht nach Ihren Vorstellungen verhalten. Der nächste findet in diesem Video drei willkürlich aneinander gereihte Adjektive, die in dieser Form nicht geschützt sind und reklamiert sie in Summe als seinen Claim. Soll denn jetzt tatsächlich jeder Marktteilnehmer im Rahmen seines Marketings diese drei Adjektive aus seinem Wortschatz oder besser noch aus dem Duden, streichen?

Der eine wirbt aus Sicht des anderen zu häufig mit seinen Facebook Posts. Der nächste schwingt sich auf, die Marktteilnehmer in Looser und Winner zu kategorisieren und wieder andere verkaufen die Geschichten aus dem Buch „Erzählbar“ als ihre selbst erlebten Storys. Wer Anlass zur Kritik sucht, wird sie in dieser Branche ganz sicher finden. Und die gesamte Kritik wird dann unter dem großen Thema, „Das schadet der Branche“ verkauft. 

Ob es so etwas in der Bäckerbranche, wo doch wirklich fast jeder auf seiner Brötchentüte mit „knusprig, knackig, lecker“ oder der Abbildung von „Brötchen, Brezeln oder Mühlen“ wirbt, auch gibt? Ich glaube kaum. Ich bin mir sicher, wir alle können das sehr viel besser!

Das Ansehen unserer Branche und das Personal Branding jedes einzelnen ist mehr als nur ein Video, eine erzählte Geschichte oder drei willkürlich aneinander gereihte Adjektive. Marketing und Selbstmarketing hat eine Vielzahl von Facetten. Die, sich immer wieder über andere aufzuregen oder zu erheben, ist dabei m.E. die Schlechteste. Es wird langsam Zeit, sich im Rahmen seines Marketings und seiner Positionierung wieder vom Belehrenden zum Lehrenden zu entwickeln und sich auf seine Einzigartigkeit, seine Kompetenzen und den Nutzen für seine Kunden zu konzentrieren. So werden aus Branchenzugehörigen, Mitbewerbern und Marktbegleitern echte „Bewunderer“.  Der Ordnung halber, „Bewunderer" ist in diesem Zusammenhang eine Wortfindung von „Martin Limbeck“. ;-)


Euch allen einen entspannten Arbeitsalltag.

Euer Michael Bandt

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